Ende und Anfang

Meine Zeit im Job neigt sich dem Ende zu, ab August startet etwas Neues. Ich bin so froh und freue mich auf neue Aufgaben, neue Menschen und eine neue Umgebung. Seit Tagen räume ich meinen Arbeitsplatz auf, entsorge und verschenke Dinge und fühle mich leicht und glücklich.

Allerdings wundere ich mich dann, wenn ich die Nachrichten schaue oder lese, dass Deutschland sich über den Rechtsruck echauffiert. Es musste offenbar erst ein Politiker sterben, bis bei allen ankommt, dass die rechten Gedankenverbreiter unter uns sind. Das ist schon seit vielen Jahren so, warum also so erschrocken? Man darf Stammtischwitze über Andersfarbige machen, Schwulenwitze kommen auch immer gut an. Ich hatte vor 35 (!!!) Jahren einen Mitschüler, der laut auf dem Schulhof gesungen hat: „… Türken an die Wand“ zur Melodie von „Shadow on the wall“. Auch hatte ich an einem evangelischen Gymnasium Lehrer, die sagten, Blonde und Blauäugige hätten sowieso gute Noten bei ihnen, oder den Nationalsozialismus bespreche man in Geschichte nicht, das sei alles Lüge. Das war allen an der Schule bekannt, das war regelmäßig Thema -auf humorvolle Art, wie immer das geht- in der Schülerzeitung oder auf Abi-Feiern. Als nicht ins Schema passende Schülerin waren meine Chancen in den Fächern zu punkten eher schlecht.

Anfang der 90er Jahre gab es in Berlin einige Ecken, die man meiden sollte, wenn man zu links aussah. Auch da gab es Situationen, in denen man nur noch weglaufen konnte. Aber jetzt wird das rechte Gedankengut, das „wir – sind- die- besseren -Menschen- Denken“ salonfähig. Ich kenne viele Leute, die kein Blatt mehr vor den Mund nehmen und Unerträgliches daherreden. Und ich möchte keine Erklärungen dazu hören, warum man so denkt. Hass und andere niederzumachen ist zu nix eine Alternative, ist unsympathisch und macht hässlich!!!

Immerhin bin ich nicht allein mit meinen Gedanken: „Du driftest nach rechts“ von Fettes Brot passt sehr gut dazu. Und auch die Spiegel-Kolumne von Sascha Lobo „Debatten nach rechts verschieben: Anleitung in 20 Schritten“ spricht mir aus der Seele. Es gibt genug Leute, die anders denken, die diese Hasswelt nicht wollen, aber sie regen sich zu wenig. Warum gibt es keine Montags-Demos dazu? Neben Fridays-for-future könnten doch auch Mondays-for-kindness – Demonstrationen stattfinden, oder nicht? Vielleicht sollte ich das mal initiieren?

Fridays…. da macht meine Autokorrektur Fridas raus…. Fridas-for-future! Auch eine gute Idee. Das brächte allen Freude!

Frida wächst und gedeiht, lernt schwimmen und alleine zu bleiben, Kommandos und Manipulationen:-)! Ich liebe sie, wir lachen über sie und freuen uns, dass sie da ist.

Zu heiß für Frida

Das Wetter macht uns hier rasend. Tagsüber ist Frida schlapp und will bei der Hitze nicht spazieren gehen. Abends hingegen findet sie kaum zu Ruhe, ist aufgedreht und rast durch`s Haus. Dabei hat sie es faustdick hinter den Ohren. Sie foppt uns, rast die Treppen hinauf, wenn man sie im EG ruft, schleppt Erdklumpen durch das Haus und ich bin mir sicher, sie lacht sich schlapp über unser Gerufe.

Wenn wir nicht da sind, liegt sie wohl auf unserem Sofa. Das erkennen wir nur an zusammengedrückten Kissen und den Hundehaaren. Sind wir da, liegt sie schön brav auf dem Teppich oder auf ihrer Decke. Bald beginnt die Hundeschule – das wird auch Zeit, denn offenbar kann Frida ihr Gehör abschalten. Dann steht sie wie ein Esel und lässt sich zu nichts bewegen. Wir arbeiten daran.

KeiFridane Angaben

Die Welt ist verrückt, da sollte man rechtzeitig abschalten!

Frida soll also amtlich werden. Die Dame am Amt für Hundesteuer ist im Urlaub. Die Ersatzdame schickt mir eine pdf-Datei, die ich ausdrucken und zurückschicken soll. Außerdem benötigt sie eine Kopie von der Haftpflichtversicherung für Frida und die Registrierungsbescheinigung, die ich vom niedersächsischen Hundemelderegister bekomme, wenn ich Frida dort angemeldet habe. Kostet auch Geld, was damit gemacht wird, kann mir die Dame nicht sagen…. wofür wird das wohl verwendet? Nur für den Wahnsinnsverwaltungsakt. Lange Wörter kann ich auch…
Ich melde Frida also dort auch noch an, gebe die geforderten Daten ein, Name des Hundes- und dann steht da vorgegeben: Keine Angaben. Ich klicke in das Feld und schreibe Frida hinein. Fülle alles weiter aus, klicke auf Absenden und erhalte umgehend die Bestätigung, dass Frida nun KeiFridane Angaben heißt! Großartig! Ich dachte, beim Klicken in das Feld verschwindet die vorgegebene Antwort, so ein Mist. Ändern geht im Nachhinein zwar, aber im offiziellen Bescheid steht das nun so, nee, sonst müssen Sie das nochmal neu machen, kostet aber noch einmal!
Das lasse ich – KeiFridane, super Name!

Keine Zeit zu denken

Frida hält uns ganz schön auf Trab. Auf angenehme Art und Weise… sie vertreibt damit momentan auch die vielen Denkirrwege in meinem Kopf, die oft für trübe Stimmung sorgen.

Bald beginnen die Sommerferien, danach wird auch der Arbeitsstress ein anderer – ein anderer Arbeitsplatz und andere Kollegen. Neuanfänge auf allen Kanälen. Ich bin gespannt. Gespannt auf die Zukunft. Das klingt ein wenig bombastisch und ein bisschen „drüber“, aber es stimmt tatsächlich. Hach, aufregend alles!

Wie geht es Ihnen heute?

Die Zeit fragt ihre Leser jeden Tag, wie es ihnen geht. Man kann dann gut oder schlecht anklicken und sich anschließend ein zur eigenen Gemütslage zutreffendes Adjektiv ausdenken. Hier sind die Leute sehr kreativ: Über merkelgenervt bis allesgeschafftmüde kann man die Befindlichkeiten lesen. Manchmal bin ich überrascht, was als „mir-geht`s-gut-Adjektiv“ angesehen wird. Ich lese diese Rubrik sehr gerne und freue mich darüber, dass es vielen Leuten gut geht. Manchmal allerdings lese ich auch nur rote, also schlechte Adjektive. Ich selber habe wochenlang schlechte Adjektive kreiert. Allein die Frage: Wie geht es mir heute? Was heißt schon gut? Es regnet keinen goldenen Flitter auf mich, ich gewinne nie, nie, nie im Lotto…

Aber: Es geht mir doch auch nicht schlecht. Ich habe eine tolle Familie, einen Job, der mir Spaß macht und jetzt noch Frida! Zufriedenheit – ein Wort, dass nicht nach „Mega“ klingt, sondern nach Durchschnitt. Dabei ist es doch ein super Gefühl, zufrieden zu sein.

Menschen ….

Pfingsten – Zeit zum Lesen, Zeit für Ruhe. Ich lese diverse Zeitungen online, immer morgens einmal quer durchs Internet. BBC news, Zeit, SZ, Spiegel, Hamburger Abendblatt… und ich wundere mich über die Menschen.

Frauen – Fußball-WM – die Schlagzeilen dazu sind unglaublich. „Hinternwackeln, die Hübschesten, Pferdeschwänze statt Eier“… über all das wird sinniert. Es sind Zitate, sollen vielleicht Provokationen sein, Werbung, was weiß ich. Aber wo bleibt der Bezug zum Sportlichen? All das kommt erst viel später in den Artikeln. Das nervt. Ich bin überhaupt kein Frauenfußballfan, aber mich kotzt an, dass das Frausein immer zuerst thematisiert werden muss, es klingt immer wie eine Entschuldigung: Sorry, sind zwar Frauen, aber trotzdem können sie Fußball spielen. Sorry, sind zwar Frauen, aber dennoch können sie ganz gute Arbeit leisten. Kein Wunder, dass meine Autokorrektur gerade aus Frausein Grausein macht.

Und dann lese ich über zwei Frauen in London, die in einem Bus geschlagen wurden, weil sie sich vor männlichen Fahrgästen küssen sollten. Das ist doch alles nicht mehr normal.

I don't think there's anything more important than making peace 
before it's too late. (Jane Fonda)

Und Frida? Der geht`s super.

Alleine bleiben

Gaaaanz schwierige Sache für einen kleinen Hund, der bereits 2x umziehen musste. Da weint man gar sehr, wenn jemand das Rudel verlässt. Und leider muss ich das Rudel täglich verlassen, um meiner Arbeit nachzugehen. Immerhin ist Frida nicht ganz alleine, so können wir das „Zurückbleiben“ noch ein wenig trainieren.

Diese vielen freien Tage verhindern einen Arbeitsrhythmus und verbreiten Urlaubsstimmung. Jeden Tag fällt es mir schwerer, mich morgens auf den Weg zu machen. Diese Zeit vor den Ferien ist für alle anstrengend, aufgeregte Schüler und Schülerinnen, nervenkostümarme Lehrkräfte… aber nüdschanix.

Frida macht es richtig

Jane wird Frida

Am 30.5.2019 fahren wir in den Norden von Hamburg, um uns Jane Fonda anzuschauen. Ein Parson Russell -Welpe, 4 1/2 Monate alt. Noch im Auto beteuern wir uns gegenseitig, dass wir nur gucken wollen, wir entscheiden in Ruhe. Und natürlich hat die Züchterin das letzte Wort. Und überhaupt, wir sind ja gar nicht vorbereitet…. keine Leine, kein Futter, kein Körbchen…

Und dann sind wir da und sie rast auf uns zu, die quirlige, kleine Jane Fonda und wir sind erledigt – und unsere Beteuerungen gleich mit. Nach langen Gesprächen mit der tollen Züchterfamilie, nach einem Spaziergang und tausenden „Hach, ist die süß“ fällt die Entscheidung – wir nehmen sie gleich mit.

Die Züchterin stattet uns perfekt aus, mit allem, was man für ein Leben mit Hund braucht. Das Buch über Parson und Jack Russell aus dem Gräfe & Unzer Verlag, das sie uns mitgibt, hat sie selbst geschrieben. Sehr hilfreiche Tipps, auch wenn man, wie wir, bereits Jack Russell – und hundeerfahren ist. (Es gibt keinen amazon-link. Please support your local bookshop!)

Wir kommen zu Hause an und alles passt. Sie ist aufgeregt und zappelig – genau wie wir.

Aber mit dem Namen hadern wir. Jane Fonda – ich denke an Aerobic, aber sie ist auch Oscar-Preisträgerin, Friedensaktivistin, war mal ein Sexsymbol (naja, das ist eher kein Kriterium). Aber als Hunderufnamen finden wir das doch unpraktisch. Frida, die Friedliche, wie Frida Kahlo, auch eine tolle Frau, die ihre Tiere liebte, Frida – das passt!

Jane Fonda wird Frida!