Sprachlos

Seit dem 8.3.2020 habe ich nichts mehr geschrieben. Ich bin sprachlos.

Da habe ich seit Monaten die Nachrichten verfolgt, habe meinen Schülern (damit sind auch Mädchen gemeint) erklärt, dass Corona in China wütet und hier nicht herkommt. Und es trifft nur Vorerkrankte, für alle anderen ist es wie eine Grippe… und jetzt?

Inzwischen musste ich den 10 Jährigen erklären, dass sie zwei Wochen eher in die Osterferien gehen, musste Arbeitsmaterialien zusammenstellen -unsere neue Schule ist noch ganz am Anfang mit allem, wir sind noch nicht mit den Schülern vernetzt- musste mit Handschuhen einkaufen gehen und wurde gebeten, meinen Schal über das Gesicht zu ziehen, wurde aus einer Schlange geschubst, weil ich einen Moment nicht aufgepasst hatte….

Heute ist der erste Tag, an dem ich nicht arbeite. Obwohl der Chef aus Hannover am letzten offiziellen Schultag extra noch einmal drauf hingewiesen hat, dass die Lehrkräfte keine Ferien, sondern unterrichtsfreie Zeit haben. Sonst hätten sich sicher auch alle sofort mit einem Buch in die Sonne gelegt.

Ich bin erschöpft, müde, stehe jeden Morgen um 5.30 Uhr auf, lasse den Alltag einfach weiterlaufen, setze mich zum Arbeiten an den Küchentisch… heute geht es nicht. Selbst meine Gedanken sind schlapp. Das kann doch alles gar nicht wahr sein! Alles wirkt wie aus einem Sci-Fi Thriller, der einem Angst macht, aber man beim Zuschauen weiß, Sci-Fi eben. Nur hier ist es eine reale Geschichte, die gerade passiert.

Unfassbar, alles. Nun war ich doch nicht so sprachlos….

Gleich werde ich noch einmal bei den alten Nachbarn nachfragen, ob alles soweit gut ist, dann werde ich mit Frida in den Wald fahren, weit weg von der Zivilisation. Sie freut sich über die Gerüche, ich über die Einsamkeit.

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